Gerüstet um zu (über)leben

Ritterrüstung von Axel Ritterrüstung von Axel

Das Schwert war die Primärwaffe der mittelalterlichen Ritter. Mit ihren geraden und oft sehr langen Parierstangen vermittelten die hochmittelalterlicher Schwerter den Gesamteindruck eines christlichen Kreuzes. Aus den bisher einhändig geführten Schwertern entwickeln sich ab dem Hochmittelalter erst anderthalb-, dann zweihändig geführte, lange Schwerter. Die Schwerter haben den Scheibenknauf, daneben noch immer Paranussknauf und - selten - Halbkreisknauf, während aus dem "Französischen" der Polygonknauf in den Jahren gegen 1250 ebenfalls aufkommt. Die Klingen werden im Spätmittelalter stärker und spitzer. Schwerter spielten in vielen feudalen Zeremonien des Mittelalters eine große Rolle (Krönung, Schwertleite). Weitere Informationen, Siehe Klassifizierungen nach Ewart Oakeshott.

 

Der Ritterschild ist nun der sog. Dreiecksschild; während der Mandelschild (Normannenschild) noch 1,10...1,20m hoch war, weist der Dreiecksschild lediglich noch 80...90cm Höhe auf. Er ist konvex gewölbt, so dass seine Oberkante im Bogen ca. 70 cm und in der Gerade ca. 60 cm misst. Die Angaben sind jedoch nicht als Nonplusultra zu nehmen, da die Schilde individuell wohl unterschiedlich bemessen waren und bspw. die Dreiecksschilde der Johanniter noch mehr an der alten Mandelform ausgerichtet waren ("Träne Gottes") als die Schilde der weltlichen Ritter. Fußkämpfer nutzten teilweise eine sogenannte Pavese, einen oft reich verzierten Rechteckschild, der auch in den Boden gerammt werden konnte und Schutz vor Fernwaffen, vor allem bei Belagerungen, bot.

 

Sekundärwaffen sind wieder Streitaxt oder Streitkolben (auch hier in der Regel nicht bei Ordensrittern) - bei letzterem gesellt sich der traditionellen Form (s. frühstaufisch) die sog. französische oder türkische Form hinzu (mace turquese).

 

Außerdem führen weltliche Ritter (keine Ordensritter) einen Langdolch mit sich, der in der Form eines verkleinerten Schwertes etwa 30-40 cm lang ist. Er dient dem "Gnadenstoß" eines tödlich verwundeten Gegners und ist daher auch als misericordias (Gnadengeber) bekannt.

 

Der Langspeer bestand aus einer schweren, hölzernen Stange, die am oberen Ende in eine zweischneidige Eisenklinge überging. Mit ihm konnte man als Fußsoldat gut gegen Reiterei vorgehen. Wenn ein Heer voller Fußsoldaten in den ersten Reihen die Speere gegen die heran preschenden feindlichen Reiter in den Boden drückte, so hatte die Reiterei, egal wie gut ausgebildet und gepanzert sie war, kaum eine Chance gegen die Fußsoldaten. Der Langspeer war ca. 3 m lang. Im späten Mittelalter ging er in die Pike über. Die ca. 2 m langen Wurfspeere hatten an Bedeutung verloren.

 

Die Grenze zwischen Speer und Lanze ist nicht einheitlich gezogen. Die Lanze wird hier dargestellt als die von den Rittern unter dem Arm eingeklemmten, langen Holzspieße, mit denen sie auf ihre Gegner zu Pferde los ritten. Für die berittenen Ritter, also die Kavallerie, galt die Lanze schon seit dem Frühmittelalter als erste Waffe. Die Lanze war ca. 3 m lang, in manchen Fällen bis zu 3,50 m.

 

Die Ritter benutzten den Bogen vorwiegend zur Jagd. In Schlachten konnten sie neben Lanzen und Schwertern nicht noch zusätzlich Bogen umschnallen. Weshalb auch berittene Bogenschützen, anders als bei den Mongolen, in Deutschland kaum auftraten. Die Bogenschützen als Fußsoldaten standen in den Schlachtreihen hinter den Nahkämpfern, um die heran nahenden, feindlichen Krieger unter Beschuss zu nehmen. Zu Pfeil und Bogen gehörte auch immer der Köcher, der am Rücken getragen wurde und aus dem man die Pfeile mit einem Griff hinter den Kopf herausziehen konnte. Die Schnur des Bogens bestand meistens aus Tierdarm oder pflanzlichen Fasern. Der Langbogen kam überwiegend in Großbritannien zum Einsatz, wo er schreckliche Berühmtheit erlangte. Der Bogen selbst war ungefähr so groß wie der Schütze selbst. Der Kurzbogen ist der übliche Bogen des deutschen Mittelalters.

 

Die Armbrust verschoss Bolzen, die, im Gegensatz zu den vom Bogen abgeschossenen Pfeilen kürzer waren und aus Metall sein konnten. Die Armbrust musste, oft mit einer Handwinde, aufgezogen werden und das Seil wurde dann festgeklemmt. Mit der Armbrust konnten weitere Entfernungen erreicht werden, als mit Pfeil und Bogen, da die Sehne mechanisch gespannt wurde und nicht durch die eher begrenzte Kraft der Arme. Ein weiterer Vorteil der Armbrust, gegenüber dem Bogen, war die Zielsicherheit. In Europa wurde die Verwendung von Bögen und Armbrusten in Kämpfen zwischen Christen durch das Zweite Lateranische Konzil 1139 verboten, da sie wegen ihrer Reichweite und ihrer Durchschlagskraft gegen Rüstungen als unritterlich galten. Der Einsatz gegen Heiden, blieb jedoch erlaubt. Diese moralische Ächtung war jedoch in der Kriegspraxis nicht durchsetzbar. Ironie des Schicksals: Ausgerechnet ein bekannter Förderer der Armbrust, Richard Löwenherz, kam 1199 durch einen Armbrustbolzen zu Tode.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
erstellt von ritterralf